
25 Grad und Sonne satt im Freistaat und alles strömt wieder raus zum Grillen!
Aber: Grillen ist nicht gleich Grillen!
Bei kaum einer anderen Art des Kochens kommen die unterschiedlichen Persönlichkeiten so zur Geltung wie beim GRILLEN.
Denn da geht es oft nur in zweiter Linie um das Essen.
Es ist vielmehr ein gesellschaftliches Erlebnis und im Zentrum steht der Chef des Abends: Der Grillmeister!
Grillen ist fest in männlicher Hand. Bei mehr als zwei Drittel der Grillfeste steht ein Mann hinter’m Rost. Selbst dann, wenn er in der Küche gerade mal Nudeln mit Tomatensoße gebacken bekommt.
Trotzdem grillt jeder anders!


Der Redenschwinger
... weiß alles übers Grillen. Aber nur theoretisch. Er kann zwar gut von seinen opulenten Grillabenden erzählen und beschreiben, wie Schweinemedaillons mit Rosmarin lecker mariniert werden, so dass jedem das Wasser im Munde zusammenläuft, aber mehr bringt er auch nicht zustande. Die Kühlbox steht bereit, bleibt aber erst mal zu.
Das Bier fließt dagegen in Strömen und dann endlich – der Abend ist schon fast vorbei – wird der Grill angeschmissen.
Das Ergebnis seiner Kochkünste reicht zwar nicht annähernd an die versprochenen Genüsse heran, aber seine Gäste sind mittlerweile schon so hungrig und betrunken, dass es am Ende keiner merkt.
Der Fleisch-Tiger
... kennt den Spruch "weniger ist mehr" nicht. Berge von rohem Fleisch türmen sich vor’m Grill. Der Grilltiger hat nämlich Angst, jemand auf seiner Grillparty könnte ja nicht satt werden. Und da er die einzelnen kulinarischen Vorlieben der Gäste nicht immer genau kennt, gibt’s eben von allem etwas.
Den ganzen Nachmittag hat der Fleischtiger damit verbracht, das Fleisch vorzubereiten und zu marinieren. Für die Zubereitung der Salate ist da nicht mehr viel Zeit geblieben. Aber für Vegetarier hat er ohnehin nur ein verächtliches Lächeln übrig.
Die Grillkohle ist schon startklar für das Grillgut, wenn die ersten Besucher kommen, damit keine Zeit für das große Fressen verloren geht. Die Qualität des Fleisches ist gut, die Menge noch besser.
Der Elektrogrill-Fan
... kennt keine Lagerfeuerromantik. Eigentlich hält er vom Grillen sowieso nicht so viel, und er kann nicht verstehen, warum man im Garten mit Feuer rumfuhrwerken sollte, wenn in der Küche die neuesten Elektrogeräte zur Verfügung stehen. Aber er hat akzeptiert, dass die meisten Menschen eine für ihn unerklärliche Vorliebe fürs Grillen haben.
Als Kompromiss hat er sich deshalb einen Elektrogriller gekauft. Gegrillte Früchte gibt’s bei ihm genauso wie gegrillte Thunfischsteaks mit Koriander. Auf einen Vorteil ist der Elektrogriller besonders stolz: Am Abend stinkt nichts an ihm nach Rauch.
Der Einheizer
... ihm geht es stärker um das Spiel mit dem Feuer als um das Grillen. In Sachen Feuermachen macht ihm keiner so schnell was vor. Chemische Anzünder kommen natürlich nicht in Frage. Mit Späne und Zeitung zur Grillkohle geht’s ganz genauso.
Beim Grillen selbst zeigt der Einheizer allerdings weniger Begeisterung... Wahllos kommen irgendwelche Fleischstücke auf den Rost und dann widmet sich der Einheizer wieder SEINER Glut. Während seine Gäste gemütlich im Schatten sitzen, stochert er mit hochrotem Kopf in der Glut herum. Irgendwann ist das Fleisch verkohlt und er kratzt es von den Gitterstäben. „Essen ist fertig!“ ruft er seinen Gästen zu und fügt eilig hinzu: „Ich leg noch einmal Kohle nach!“ und dann beginnt alles von vorne
Der Grillprofi
... ist ungeschlagen in Sachen Grillen. Mit Blasebalg, Thermometer und fachkundigem Wissen sorgt der Grillprofi für kulinarische Gaumenfreuden, die jeden Fünf-Sterne-Koch neidisch machen.
Eine Einladung vom Grillprofi ist Gold wert, bei ihm schmeckt’s garantiert! Es gibt nicht nur einfach Fleisch und Salate – sondern ein von vorn bis hinten durchgestyltes Menü! Der Grillprofi verwöhnt seine Gäste mit allem Drum und Dran, als wären sie seine eigenen Kinder und als Höhepunkt zaubert er noch einen französischen Apfelkuchen aus dem Backbereich seiner Kombianlage.
Gelernt hat er das alles im jahrelangen Studium der Grillwissenschaft, geübt in aufwendigen Selbstversuchen. Sein Grillzubehör ist perfekt auf die unterschiedlichsten Anforderungen angepasst; er hat für jede Situation alles da. Der besondere Gag des Grillmeisters seit 15 Jahren ist, dass er auch das Dessert auf dem Grill zubereitet und die Ah’s und Oh’s, für die seine gegrillte Honigbanane mit Vanilleeis sorgt, würde er sich am liebsten mit einem Rosmarinzweig einlegen.
Der spontane Tankstellengriller
... wusste bis vor ein paar Minuten noch gar nicht, dass er heute grillen wird. War eine spontane Eingebung "Mensch – Grillen wär’ jetzt super!" Ab geht’s zur Tanke und schnell ein Einweggrill gekauft, außerdem Ketschup, Kartoffel- und Nudelsalat im Becher, Toast, Steaksoße, Cola und Bier. 60 Euro an der Kasse lasen den Spontan-Griller noch mal kurz zweifeln... aber egal! Alles wird mitgenommen. Im Park oder am See angekommen, gibt’s Probleme mit der Gebrauchsanweisung für den Grill.
Dann will keiner warten, bis die Kohle richtig heiß ist und Würste und Fleisch werden gleich auf den Grill geworfen. Dann fällt dem Spontangriller auf: Kein Besteck, keine Teller! Mit den Fingern wird versucht, das Fleisch zu wenden – Ergebnis: Finger verbrannt. Stimmung am Boden, weil alle auf’s Fleisch warten. Der Kartoffelsalat ist sowieso schon alle.
Am Ende wirft der Spontangriller das restliche Fleisch und den Grill, einfach weg. Wieder zu Hause fällt ihm ein, dass er ganz vergessen hat, das Geld für Fleisch und Grill von seinen Freunden einzusammeln. Aber lustig war es schon.
Der ohne Grill
... ist immer auf jeder Grillparty dabei!!! Kommt immer etwas zu spät, weil er noch dringend was zu erledigen hatte. Deshalb hat er jetzt – Sorry - ziemlich Hunger und leider – noch mal Sorry - kein eigenes Fleisch dabei. Den Grill hat er natürlich schon entdeckt und nähert sich den Wurst und Fleisch mit höflicher Zurückhaltung. Wenn der Grillprofi (über den er sich ein bisschen lustig macht) dann kurz Pause macht, bekommt der ohne Grill seinen großen Auftritt: "Wenn die hier keiner mehr will," ruft er und hebt die Würste mit einem leisen "würde ich sie nehmen", auf seinen Pappteller. Meist kommt der ohne Grill allein.
Der Grill-Papa
... hat sich schon vor Jahren im Garten einen Mauergrill aus Leichtbetonziegeln gebaut. Von April bis Oktober gibt’s jeden zweiten Sonntag ein anständiges Grillfest. Mutti kauft Papierservietten und Plastikwimpel. Für die Freunde seiner Kinder steckt der gute Papa eine Sackhüpfen-Rennbahn im Vorgarten ab, legt Hula-Hoop-Reifen bereit und spannt das Federballnetz nach, kriegt dann aber auch postwendend eine dicken Hals, wenn der Federball in der Glut landet oder der Fußball das Bierfass umwirft. Außerdem trägt er den ganzen Abend eine Schürze mit einem lustigen Spruch drauf - so eine bekommt er mindestens zweimal im Jahr von wohlmeinenden Gästen geschenkt. Grillen ist sein Lieblingshobby, hier lässt er sich von niemandem reinreden. Deshalb tarnt er es als seine Gastgeber-Pflicht, die ganze Zeit am Grill zu stehen. Obwohl ihm seine Frau jedes Mal, wenn die Gäste gegangen sind, sagt, dass das Fleisch total versalzen war, lässt er sich nicht von seiner Spezialmethode abbringen, das Fleisch vor dem Grillen in Salz zu wenden und später mit Bier abzuspülen. Alle paar Minuten ruft er den Gästen zu, ob jemand noch ein Würstchen oder ein Steak möchte. „Hier verhungert niemand“, ist sein Lieblingsspruch. Zwei Schweinekoteletts, vier Rostbratwürstchen und drei Käsekrainer werden deshalb pro Person einkalkuliert. Dass er nach jedem Grillabend ein Drittel der Fleischplatte an seinen Labrador verfüttern muss, stört ihn nicht.
Wenn dann gegen elf die Gäste weg sind, sitzt er alleine im Garten, putzt den Grillrost mit einer Messingbürste und verstaut ihn ordentlich im Keller.
Quelle: Antenne Bayern Homepage www.antenne.de/antenne/onair/aktionen/gumofactsheet1.php

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